Das Abendmahl von Ben Willikens hat in diesem Jahr eine makabre Aktualität. Leonardo da Vincis Fresko ist hier so wie unsere Kirchen und Straßen menschenleer.

Das Gemälde provoziert gerade jetzt eine unangenehm tiefgehende Frage: Haben wir uns nicht allzu leichtfertig an diesen Tisch gewöhnt – wenn wir ihn nicht schon längst verlassen haben? Und: Ist dieser Tisch in seiner erschütternden Intimität und universalen Bedeutung in unserer Welt überhaupt möglich?

In einer Zeit, wo wir über die Kommunion von Wiederverheirateten, das Recht auf Eucharistie und Frauenpriestertum diskutieren, zwingt der leere Abendmahlstisch – auch der Platz Jesu ist unbesetzt – unseren Blick auf den Ursprung. Wenn es uns zunehmend schwerfällt, zwölf ‚Apostel‘ zu finden, die sich in der Pfarrliturgie die Füße waschen lassen, was für ein Wunder bleibt es, dass es Jesus gelang, zwölf ‚echte‘ Apostel zu finden, die sich von ihm die Füße waschen ließen.

Was hieß, dass sie ihr Leben – wenn auch durch einen schmerzlichen Prozess – ohne Vorbehalte auf das Evangelium Jesu hin öffneten und ihre Füße auf seine Spur stellen ließen. Ermöglicht wurde ihre Hingabe allerdings durch das Blut Jesu, das er, nachdem er den Tisch verlassen hatte, im Garten auf dem Ölberg zu vergießen begann, und dessen Zeichen der vorher getrunkene Festwein für immer geworden ist.

Auf dem Bild ist der Hintergrund im Unterschied zum mittelalterlichen Original ganz hell – durch und durch Licht. Licht fällt auch von oben auf die Szene. Ist dies vielleicht schon das Licht des Ostermorgens, das bald die Angst der Jünger in „große Freude“ verwandelt?!