1. Es wird scho glei dumper, es wird scho glei Nacht,
    Drum kimm i zu dir her, mei Heiland auf d’Wacht.
    Will singa a Liadl, dem Liebling dem kloan,
    mogst ja net schlafa i hear di scho woan.
    Hei hei hei hei schlaf süß herzliabs Kind.
  2. Vergiss jetzt, o Kinderl, dein Kumma, dei Load
    dass du da musst leidn, im Stall auf da Hoad
    Es ziern ja die Engerl dei Liagerstatt aus,
    Möchte schöner nit sei drin an König sei Haus.
    Hei hei hei hei schlaf süß herzliabs Kind.
  3. Schließ zua deine äugerl in Ruh und in Fried,
    Und gib ma zum Abschied dein Segn no grad mit !
    Dann wird a mein schlaferl so sorglos sein,
    Dann kann i mi ruhig aufs Niedalegn freun.
    Hei hei hei hei schlaf süß herzliabs Kind.

Es gibt viele und schöne Krippenlieder. Doch dieses mag ich besonders gerne. Es erinnert mich auch immer wieder an eine besondere Begegnung in meinem Leben. Vor einigen Jahren begleitete ich fast ein Jahr lang einen an Demenz erkrankten Mann. Wir verbrachten zusammen drei Vormittage in der Woche. In der Adventszeit habe ich ihm dieses Lied vorgesungen. Die Melodie ist nicht schwer, das kann man auch als ausgesprochener Falschsänger einigermaßen hinbekommen. So haben wir beide immer wieder zusammen gesungen Er, so gut es je nach Tagesform ging und ich, so gut es mir musikalisch gelang. Eines Tages meinte er: „das ist das schönste Lied von ganz Griechenland“. Darüber haben wir uns dann beide sehr gefreut. Nach all der Zeit denke ich immer noch gerne an ihn, besonders, wenn ich dieses Lied höre. Auch in ihm war es oft dunkel, doch dieses „Liadl“ und vielleicht auch die Engal, die darin vorkommen, konnten helfen, es ihm ein wenig hell zu machen.

Gertraud Küchler