Jesus hat sich bei mir eingeladen. Er fragt nicht lange vorher, ob ich vielleicht in der nächsten Woche mal Zeit hätte und er kommen könnte. Nein, er ist da sehr spontan. Klingelt, fragt „Darf ich reinkommen“ und ist einfach da.

„Weißt Du schon, wie das Wort des Jahres 2020 heißt“, frage ich ihn zwischen zwei Vanillekipferl. „Was soll das sein“, fragt er zurück. „Das ist ein Wort, das das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres abbildet“, gebe ich mein Wikipedia-Wissen preis und schiebe das Wort des Jahres 2020 gleich nach: Corona-Pandemie. Jesus sagt erstmal nichts. Und dann, nach einer kleinen Pause des Nachdenkens, sagt er, fast schon beiläufig: „Ich finde, das Wort des Jahres 2020 müsste anders heißen“. „Jaaa?“, frage ich ganz gespannt, „wie denn?“.

Jesus guckt mich an, als ob ich etwas begriffsstutzig wäre. „Na, anders“. Es dauert etwas, bis ich kapiere, was er meint. „Das Wort des Jahres soll das Wort ‚anders’ sein?“, frage ich vorsichtshalber noch einmal und sehr pointiert nach, um sicher zu gehen, ob ich ihn richtig verstanden habe. Seine Zustimmung liegt in einem warmen „hm!“

Ich bin von Jesu Worten beeindruckt. Er hat Recht. Das „anders“ bestimmt(e) unsere Leben. Im „anders“ liegt nicht das Bedrohliche und Bedrückende der „Corona-Pandemie“. Im „anders“ liegt (auch) die Veränderung, das Auf-den-Prüfstand-stellen von Althergebrachtem, die Kreativität, das Sich-Einlassen auf Ungewohntes. War nicht so viel anders in diesem Jahr? Und wird anders sein – z.B. wie wir Weihnachten gestalten?

Anders – das ist typisch Jesus. Das fing schon mit seiner Geburt an. Da war ja auch alles anders, als man sich die Geburt des verheißenen Messias vorgestellt hatte. Und weil Gott um menschliche Befindlichkeiten weiß, ließ er seine Boten noch in der Geburtsnacht ausrichten: Fürchtet euch nicht!

Bildquelle: Foto von Peter Weidemann in Pfarrbriefservice.de
Text von Andrea Wilke, In: Pfarrbriefservice.de