Die (Ohn)macht des Schicksals

Der italienische Komponist Giuseppe Verdi dürfte mit seiner gleichnamigen Oper wohl kaum im Sinn gehabt haben, seine Zeitgenossen vom Aberglauben an okkulte, übernatürliche Kräfte zu überzeugen. Dennoch: Damals wie heute hält sich der Glauben an vom Menschen nicht zu kontrollierenden Schicksalseinflüssen wacker – sei es (nur) angesichts überlieferter Traditionen, sei es auf der Grundlage von Überzeugungen esoterischer Art. Ausgerechnet in die diesjährige Adventszeit muss eines der prominentesten Beispiele dieses Aberglaubens fallen: Zwar weiß jeder, an einem Freitag, den 13., gibt es wohl nicht mehr zu befürchten als an den übrigen Tagen im Jahr. Und doch: Man ertappt sich beim Blick in den Kalender mit einem mulmigen Gefühl, das durch dauernde Hinweise in Fernsehen und Radio nicht besser wird. Dabei hat das negative Echo dieses Termins so gar keinen Bezug zur Wahrheit. Nein, weder fielen an diesem Tag besonders viele Menschen dem Tod, der Verurteilung, dem Bankrott etc. zum Opfer, noch ist hierfür irgendwie das Risiko größer. Vielmehr brachten unsere Vorfahren die Zahl 13 mit dem Teufel in Verbindung, die – sollte sie am Wochensterbetag Christi im Kalender erscheinen – nichts Gutes bedeuten kann.

Eins erscheint aber jedem in dieser Hinsicht nachvollziehbar: Der Glaube an den Einfluss des Schicksals (oder wie man es sonst nennen mag) gibt unserem Dasein in der Ohnmacht des Lebens einen Zweck, gibt Halt und lässt manches vorhersehbar erscheinen. Uns Christen sind mit unserem Glauben diese Motive in keiner Weise fremd, doch stehen sie in einem viel umfassenderen Kontext – der Aussicht auf Erlösung und Heil im Jenseits. Gott hat uns im Diesseits die Freiheit gelassen, zu wählen, ob wir an ihn glauben wollen; wir können also getrost auf den Aberglauben eines irdischen Schicksals, das irgendwie durch übernatürliche Kräfte erklärt werden könnte, verzichten. Sich dieser Einsicht zur Freiheit (und damit auch Ungewissheit) zu stellen verlangt natürlich Mut; die Möglichkeit, das eigene Schicksal selbst gestalten zu können, sollten wir allerdings als Geschenk betrachten, das uns Gott nicht selbstverständlich gegeben hat.

Dass man mit Freitag dem 13. auch etwas Ganz anderes,
Positives – Licht und Gemeinschaft – verbinden kann,
beweisen uns nicht zuletzt die Skandinavier
im Gedenken an die Hl. Lucia.

Eine gesegnete Vorweihnachtszeit Ihnen allen!

Tobias Huber

Foto: Peter Wiedemann, pfarrbriefservice.de